Vom 20. März bis 17. April 2026 zeigt Jürg von Ins seine Vasenbilder in einer Gruppenausstellung im Kesselhaus, Langnau am Albis.
Vernissage: 20. März 2026 ab 17.00 h, mit lyrischer Einlage von Sarah Magdalena Huisman.
Ort: Kesselhaus, Spinnereistrasse 6, Langnau am Albis.
Öffnungszeiten: Mi-Fr 17h-20h, Sa 11h-20 h o.n.V.
Über das Werk: die Vasenbilder

Vasenbilder sind Darstellungen, die auf der Oberfläche von Keramikgefässen aufgebracht wurden. Am bekanntesten sind die antiken griechischen Vasen. Szenen von Mythen- und Göttergeschichten, aber auch Alltagsszenen prägen die Motive und geben uns einen vertieften Einblick in die Gedanken- und Lebenswelt der Menschen der Antike. Einige der Vasen wurden als Trink-, Oel- oder Transportgefässe verwendet, viele dienten aber der blossen Illustration und Dekoration. Dabei steht die Dichte und der Informationsgehalt der Darstellungen in eigentümlichem Gegensatz zur Leere und Hohlheit des Gefässes. Diesem faszinierenden Paradoxon geht der Ethnologe, Religionswissenschaftler und Dichter in seinem Werk nach. Collagen, entstanden aus spielerisch und intuitiv ausgewählten und zusammengesetzten Tageszeitungen, vermischt mit eigenen Skizzen und Notizen, werden nach einem komplexen Verfahren auf die Vasen appliziert.n Es entstehen dabei sehr persönliche und subjektive Neu-Interpretationen des Welt-Geschehens, die sich in ihrer filigranen Semantik oft erst nach längerer Betrachtung enthüllen. Sie könnten als Versuch gesehen werden, dieser überinformierten und unterinterpretierten Welt der täglichen Schreckensmeldungen, ja des Lebens in seiner unüberschaubaren Vielgestaltigkeit überhaupt, eine gewisse Ordnung und einen Sinngehalt zu geben, wohl wissend, wie begrenzt diese Versuche zwingend bleiben müssen. Das Spielerische des Künstlers steht dem Chaos des Weltgeschehens gegenüber. Intuitiv, aber mit erstaunlicher Gewissheit, werden Collagen erschaffen, als sei’s durch fremde Hand. Einem ekstatischen Tanz gleich vermählt sich der Künstler mit dem Chaos und schafft so in seinem subjektiven Rahmen eine neue Ordnung.

Diesem nicht endenden Schöpfungsakt wohnt die Verheissung der Erlösung inne, mäandernd zwischen intuitivem Geführtwerden, willentlichem Formen und einer amüsierten Selbstbetrachtung des eigenen Wirkens.
Der ‘cosmic Joke’ ist in seiner zugleich beruhigenden und erschreckenden Absurdität immer mit dabei. Er manifestiert sich im Gesamtwerk und kulminiert in der letzten Vase, die die vier Serien zu einem vorläufigen Ende bringt: Gott als zusammengezogener Tintenfisch, der sich bereit macht, in einem energiegeladenen Schöpfungsakt die Welt zu erschaffen. So schliesst sich der Kreis: das Ende ist Anfang - Form ist Leere und Leere ist Form.

Auf einem Vasenbild der dritten Serie ist der Vers aus Rilke’s Achter Duineser Elegie wiedergegeben:
«…wie wenn ein Sprung
durch eine Tasse geht. So reisst die Spur
der Fledermaus durchs Porzellan des Abends.»
Text und Bilder: Franziska Reich
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